Falcon (HM-55 S / AIM-26B)

Hughes AIM-26 Falcon ist eine radargelenkte Luft-Luft-Lenkwaffe der Firma Hughes Aerospace Group. Das Radar- und Feuerleitsystem TARARN erfasst das Ziel auf eine Distanz von max. 30 km und beleuchtet es mit einem Radarstrahl. Der am Ziel reflektierte Radarstrahl wird von der Lenkwaffe erfasst und zur Ansteuerung des Zieles verarbeitet. Der Abschuss der Lenkwaffe erfolgt auf eine Distanz von weniger als 7 km. Die Lenkwaffe ist allwettertauglich, d.h. sie kann ohne optische Sicht zum Ziel eingesetzt werden.

Allgemeine Angaben
Typ                              Luft-Luft-Lenkwaffe
Hersteller                    Hughes Aerospace Group
Entwicklung                1959

Technische Daten
Länge                          2,14 m
Durchmesser              279 mm
Gefechtsgewicht         92 kg
Spannweite                 620 mm
Antrieb                        Thiokol M60 Feststofftriebwerk
Geschwindigkeit         Über Mach 2,0
Reichweite                  8 -16 km

Ausstattung
Zielortung                    halbaktive Radarzielsuche oder passiv Infrarot

In den 1950er-Jahren veränderte die rasante Entwicklung der Kampfflugzeuge und deren Geschwindigkeit die Luftkriegskonzeption. Die Schweiz musste die Mirage mit einer weiteren Luft-Luft-Rakete ausstatten, da der Luftraum sonst nicht vernünftig abgedeckt werden konnte. Wenn ein modernes Kampfflugzeug über Basel in den Schweizer Luftraum eingeflogen wäre, so hätte es bei doppelter Schallgeschwindigkeit bereits nach 6 Minuten die Grenze bei Chiasso überfliegen können, was schnelle Gegenmaßnahmen erforderlich machte. Zwei Bedingungen waren entscheidend: Abfangjäger mussten alarmiert werden, bevor das Zielflugzeug die Landesgrenze erreichte, und es musste möglich sein, aus allen Richtungen, auch von vorne, zu feuern. Die vorhandenen Systeme boten nur bei Verfolgungskursen Trefferchancen, was unzureichend war.
Das neu beschaffte Florida Frühwarn- und Einsatzleitsystem ermöglichte die Überwachung weit über die Landesgrenzen hinaus. Bei erfolgreicher Radarortung eines anfliegenden Flugzeugs konnte ein rechtzeitiger Alarmstart der Abfangjäger erfolgen. Zur Bekämpfung solcher Ziele benötigte man jedoch eine Waffe, die auch aus dem vorderen Sektor wirksam war. Die kurze Vorwarnzeit war ein geopolitischer Faktor, der für alle Staaten gleich war. In den frühen 1960er-Jahren investierte man daher viel in die Entwicklung von Lenkwaffen. Diese Raketen arbeiteten nach dem Prinzip des Semi-active radar homing (1), bei dem das Ziel mit der Radaranlage des Abfangjägers angestrahlt wurde. Die Rakete selbst sendete keine Signale, sondern empfing die Zielechos und steuerte darauf zu.
Taktisch gab es zwei Nachteile: Erstens konnte das angegriffene Flugzeug die Radarenergie orten und Gegenmaßnahmen ergreifen. Zweitens musste der Abfangjäger die Bestrahlung fortsetzen, bis die Rakete ihr Ziel erreichte oder verfehlte. Dies zwang zu einem gemäßigten Flugverhalten während der kritischen Phase der Annäherung. 
Die Schweiz wählte die Hughes HM-55S Falcon, bekannt als "Falco". Hughes war führend in der Entwicklung von Lenkwaffensystemen. Die Falcon-Raketenserie umfasste verschiedene Modelle mit unterschiedlichen Suchköpfen, Sprengköpfen und Steuerelektroniken. Das Schweizer Modell war das letzte der Entwicklungsreihe. Nachdem die letzte Waffe 1964 fertiggestellt war, wurde die Produktion eingestellt und die Fertigungslinie in Tucson, Arizona, geschlossen.

(1) Der Name bezieht sich auf die Tatsache, dass die Rakete selbst nur ein passiver Detektor für ein Radarsignal ist, das von einer externen ("Offboard") Quelle bereitgestellt wird, da es vom Ziel reflektiert wird